fit und munter - „In Deutschland besteht Impfdefizit bei Erwachsenen“

fit und munter

„In Deutschland besteht Impfdefizit bei Erwachsenen“

- Experte kritisiert unzureichenden Impfschutz bei über 18-Jährigen

- Reisemedizin ist „Türöffner“ für Standardimpfungen

- Hepatitis A und B wichtigste Impfungen bei Fernreisen


Nur wenn es ans Kofferpacken und Reisen in ferne Länder geht, wirft der Großteil der Bevölkerung in Deutschland einen freiwilligen Blick in den Impfpass, kritisiert Professor Dr. Frank von Sonnenburg. Die Folgen sind gravierend: „In Deutschland besteht ein großes Impfdefizit bei Erwachsenen“, warnt der Experte für Infektions- und Tropenmedizin beim Tropeninstitut des Universitätsklinikums München. Die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung führt zu einem unzureichenden Schutz gegen Viruserkrankungen. Auch der wertvolle Impfschutz, der in der Kindheit aufgebaut wurde, gehe so verloren.

Anlässlich der 1. Nationalen Impfkonferenz unter dem Motto „Impfschutz im Dialog. Ein gemeinsames Projekt“ vom 5. bis 7. März in Mainz warnt der Experte vor einem laxen Umgang mit dem Thema Impfen. Der ungeimpfte Teil der Bevölkerung gefährde nicht nur sich selbst, sondern auch die Mitmenschen. Erwachsene gingen in der Regel nur zum Arzt, wenn sie krank sind. Notwendige Impfungen oder Auffrischung des lebenswichtigen Impfschutzes gerieten dabei aus dem Blickfeld, sagt der Mediziner. Der Experte rät zu einem regelmäßigen Blick in den Impfpass. „Die Reisemedizin ist einer der wenigen Ansatzpunkte für die Impfung von Erwachsenen“, betont Professor Dr. Frank von Sonnenburg. Der Impfschutz bei einer Fernreise sei für die Reisenden enorm wichtig und unerlässlich. Gleichzeitig sei die Reisemedizin „die Chance“, Erwachsene auf die von der STIKO empfohlenen notwendigen Standardimpfungen hinzuweisen. „Die Reisemediziner frischen dann meist auch alle anderen wichtigen Impfungen bei den Patienten mit auf“, so der Experte. Die empfohlenen Reiseimpfungen würden von den Reisenden sehr gut angenommen.

Die mit Abstand wichtigste Impfung bei Fernreisen ist die Hepatitis A-Schutzimpfung, mit der die Reisenden eine Gesundheitsvorsorge treffen. Meist ist auch zusätzlich eine Hepatitis-B-Impfung sinnvoll, denn die Todesfälle sind alarmierend: Weltweit sterben jährlich eine Million Menschen an Hepatitis B. Die Erreger der Viruserkrankung werden über das Blut übertragen, aber auch Sexualkontakte spielen bei der Ansteckung eine bedeutende Rolle.
Werden unerwartet chirurgische Eingriffe im Urlaubsland nötig, ist der Tourist durch die Impfungen auch vor einer Übertragung der Krankheit durch Instrumente oder bei einer Bluttransfusion geschützt. Hepatitis A kann hingegen durch den Verzehr von ungekochten oder rohen Speisen, Eis, Salaten und Meeresfrüchten oder durch mangelnde Lebensmittelhygiene verursacht werden. Der Experte warnt vor Eiswürfeln in Getränken und rät nur abgekochtes Leitungswasser zu trinken. Die Inkubationszeit beträgt 15 bis 50 Tage. Hinzu kommen eventuell für das jeweilige Reiseland empfohlene Spezialimpfungen. Die Kosten für die Reise-Schutzimpfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen teilweise als freiwillige Leistung ersetzt. Die Impfungen sollten möglichst zehn bis 14 Tage vor Reisebeginn abgeschlossen sein.

Um den Impfschutz aufrecht zu erhalten, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) jenseits von Reiseimpfungen für Erwachsene ab 18 Jahren alle zehn Jahre eine Auffrischung ihres Impfschutzes gegen Tetanus und Diphtherie. Erwachsene über 60 Jahre sollten sich möglichst jährlich gegen Influenza (Grippe) impfen lassen und im Intervall von fünf Jahren gegen Pneumokokken. Für alle Erwachsenen wird eine FSME-Impfung alle fünf Jahre empfohlen. Informationen zur 1. Nationalen Impfkonferenz finden Sie im Internet unter www.nationale-impfkonferenz.de.

Die 1. Nationale Impfkonferenz findet vom 5. bis 7. März 2009 in der Rheingoldhalle in Mainz statt. Ziel der Konferenz ist die Entwicklung einer gemeinsamen Impfstrategie der Bundesländer, um einen optimalen und flächendeckenden Impfschutz der Bevölkerung in Deutschland zu erreichen. Die dreitägige Konferenz wurde auf Initiative der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Malu Dreyer bei der 80. Gesundheitsministerkonferenz 2007 beschlossen. Bei der Konferenz und Fortbildungsveranstaltung für Ärzte diskutieren Wissenschaftler, Politik und Kostenträger über Erfahrungen und Maßnahmen beim Impfschutz. Hintergrund ist die schleichende Impfmüdigkeit und Verunsicherung der Bevölkerung in Deutschland. Die Konferenz, die zukünftig alle zwei Jahre stattfinden soll, steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler. Veranstalterin ist das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen in Rheinland-Pfalz, mit wissenschaftlicher Unterstützung der Stiftung Präventive Pädiatrie.

Weitere Informationen unter www.nationale-impfkonferenz.de
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