fit und munter - ahoi Werbeagentur Wiesbaden. Aufschrieb eines Werbekapitän

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Das Leben als App
Den Älteren unter uns wird die Schöpfungsgeschichte noch etwas sagen. Richtig, das war die Sache mit Adam und Eva. Sie hatten einander, sie waren glücklich, sie lebten im Paradies. Bis Schlange und Apfel ins Spiel kamen - dann war"s vorbei mit der Ruhe. Fast 3000 Jahre später wiederholt sich Geschichte. Diesmal heißt die Schlange Steve Jobs, und aus dem Apfel wird neudeutsch Apple. Von nun an sollte es vorbei sein, mit der Ruhe. Was auch immer Jobs, der Menschenfänger, dem Publikum als Überraschungs-"i" präsentiert: Praktisch niemand kann seiner Versuchung widerstehen. Präsentationen geraten zu Messen, wenn der IT-Messias das feierliche Hochamt hält. iMac, iPhone, iPad - die Massen sind verrückt danach. Leben fortan im 24/7-Standby-Modus, touchen sich durch die Welt, gestalten ihr Dasein als einzige große Application. Sind wir eigentlich noch zu retten? Versklaven uns willfährig an die Neuen Medien, synchronisieren unseren Alltag mit dem Signal-Stakkato eingehender E-Mails, Facebook-Kommentare oder via Bluetooth übermittelter Werbebotschaften. Berauschen uns an einem Zustand, in dem sich Zeit und Raum verlieren - zusammen mit "Freunden", die wir niemals trafen und die wir nur unter ihrem Online-Pseudonym kennen. Kehren unser Innerstes nach außen, enttabuisieren unser Selbst bis zum Fremdschämen. Binden und entbinden uns mit einem Mausklick von Menschen, Marken, Märkten. Oberflächlichkeit ist Trumpf. Subjektive Interessanz schlägt allgemeine Relevanz, gegen jedes Anspruchsniveau.

Wer einmal offline geht und kurz inne hält, mag sich womöglich an das analoge Sein davor erinnern. Wir hatten einander - Familie, wahre Freunde, persönliche Begegnungen. Meist waren wir glücklich - zumindest zufrieden. Wir lebten nicht unbedingt im Paradies, aber das Leben hatte seine Ordnung, mit klaren Regeln des Umgangs, mit festen Essens-, Arbeits- und Schlafenszeiten. Wir schrieben Briefe per Hand und genossen die Vorfreude auf eine Antwort viele Tage, manchmal Wochen später. Nicht alles zu wissen, nicht immer erreichbar zu sein, Träumen nachzuhängen, zu improvisieren und sich zu arrangieren, hatte einen gewissen Charme. Über der Langsamkeit, über dieser Unvollkommenheit lag ein Zauber. Und heute? Heute sind wir Getriebene unserer Gier nach immer neuen Gadgets. Citius, altius, fortius. Wie wäre das Leben eigentlich ohne Apple & Co.? Wir würden vermutlich wieder verbindlicher, authentischer, individueller, unseren eigenen Weg finden und gehen, als Gegenentwurf zur vermeintlichen "Schwarmintelligenz". Wir hätten den Mut und das Zutrauen, einzutauchen in die reale Welt, uns bewusst zu konfrontieren statt blind zu konsumieren. Vielleicht ein paar Hobbies nachzugehen, jedenfalls aus dem passiven Rezipieren zurück ins aktive Gestalten zu kommen. Zu kreieren statt zu kopieren, Großes aus eigenem Talent und eigener Anstrengung zu erschaffen. Vor allem aber die Neugier wiederzuentdecken auf andere Menschen und das Leben als solches. Und wir wären auch wieder in der Lage, auf ganz besondere Momente hinzusteuern, sie zu genießen und in unserer Erinnerung festzuhalten. Für manchen klingt das wie das Paradies.

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